besser „rauchenden”
dopplung „formte” und „deformierten”
überflüssig
? besser „wie ein Flaschenboden”
besser: überrascht ansah
besser: ging
zu stark, besser „die Mutter”
Füllwort
groß
zu umständlich, besser: „Ich hätte auch nur jemand sein könne, der ihn
sich fragen ließ, was von ihm bleiben würde.”
besser: anschauen
überraschend plötzlich Umgangssprache, besser „verschlafen”
fehlt ein „e”
steckt im „schleichen”
groß „du”
besser „müden”
fehlt ein Punkt
kürzer: alkoholisierten
groß „M”
Hinterkämmerchen sind immer klein; besser: in der Hinterkammer
Modewort, besser: umgab
fehlt „neu”
besser „zitternden”
kein Komma
einfacher: Ein rot-
braunes Herbstblatt tanzte im Wind über seinen braunen
Trenchcoat und flog fort.
Unklar, besser: „Immer wieder kamen Kunden herein und warfen mir Blicke
zu, die die Trauer in meinem Gesicht suchten.”
? groß „D”
Lektoratsbeispiel
Frost
von Thilo Bienia
Es war kalt. Es war so eisig kalt, dass mir der Atem auf den Lippen gefror, während ich die Straße entlang rannte. Der Bäckerei entgegen, in der ich arbeitete. Meinen Dienst verrichtete, wie ich es nannte. Ich mochte diesen Ausdruck. Es hörte sich an, als würde ich wirklich etwas tun. Eine schwere Arbeit verrichten und Verantwortung tragen. Dabei wärmte ich mir nur die Hände an einem alten, stinkenden Ofen.
Ich knetete ein paar Teigbällchen, formte sie zu ungestalten Objekten und genoss den Anblick der Hausfrauen oder Rentner, die meine
Seit neuestem stand ich auch an der Kasse. Der Bäcker war einfach zu alt geworden und seine Brillengläser so dick wie ein aufgegangener Kuchenboden. Wenn die Kunden ihn fragten, was dieses und jenes Brötchen darstellen soll, nahm er es aus dem Körbchen, schnüffelte daran und betatschte es, bis er mich ratlos ansah; und die Kundschaft ihn mit unangenehm berührten Blicken betrachtete. Schließlich wurde es ihm zu dumm und er begab sich ins Hinterkämmerchen, wo er die Stellen an seiner Kopfhaut erkennen konnte, die er sich einst verbrannt hatte, als er in jungen Jahren ein Kind aus dem Feuer retten wollte. Weil er gerade zur Stelle war, flehte ihn
Aber bis die Feuerwehr das Feuer wieder gelöscht hatte, konnte niemand das Baby finden, auch wenn der Bäcker ins Feuer gestürzt war. Die Feuerwehr zog ihn wieder aus dem Haus und löschte es. Auch später, nachdem der Bäcker aus dem Krankenhaus gekommen war, mit den frisch glänzenden Narben in seinem Gesicht, suchte er das Baby. Bis er es fand.
Die Frau des Bäckers erzählte mir, er hätte nichts als den verkohlten Rest eines Kindes aus dem Haus getragen, von dem der Ruß abbröckelte. Wie eine erloschene Fackel mit kaum mehr vorhandenen Gesichtsmerkmalen sah es aus. Mit Beinen, an denen das Fleisch verbrannt war und einem Brustkorb, aus dem sich die hautlosen Rippen drückten.
Seitdem war der Kinderwunsch für ihn gestorben. Er konnte keine mehr sehen und verlor nie ein Wort über die Sache, so oft ihn seine Frau auch drängte, darüber zu reden. Darüber und über die Kinder, die sie haben wollte. Aber er konnte nicht. Weigerte sich, bis er schreien musste, um ihr klar zu machen, dass es ihm egal war, wie sehr sie sich ein Kind wünschte. Erst als er drohte, sie zu verlassen, fand sie sich
Noch vierzig, fünfzig Jahre später, wenn seine Frau ihn fragte, ob er manchmal noch daran dachte, nickte er nur. Und sagte: „Manchmal schon.” Aber über den zweiten Weltkrieg konnte er ganze Geschichten erzählen.
Im Laufe meiner Ausbildung hatte ich den Eindruck, ich wäre eine Art Ersatzsohn für ihn geworden. Ich dachte es, aber vielleicht hatte er mich auch nicht so gesehen. Ich hätte auch nur jemand sein können, der in ihm die Frage aufwarf, was von ihm zurückbleiben würde, wenn er stirbt. Er hatte ja nur mich. Er wäre einfach tot, sein Leben würde keine Bedeutung mehr haben. Er würde in Vergessenheit geraten. Nie würden ihn Kinder bewundern können, die in siebzig, achtzig Jahren einen Bildband aufrufen, mit dem Finger auf ihn zeigen und sagen: „Das war mein Uropa. Siehst du die Narben in seinem Gesicht? Er hat ein Kind aus dem Feuer gerettet. Mein Opa war ein Held”, würden sie sagen. „Das war er” und es würde vergessen werden, dass das Kind gestorben war. Es würde leben, so wie er.
Und wieder:
Es war kalt. Es war so eisig kalt, dass die Regentropfen in der Luft erstarrten und als Eiskugeln auf meinen Kopf prasselten, während ich zur Bäckerei rannte. Aber sie war zugeschlossen. Der Alte muss verpennt haben, dachte ich, kramte meinen Schlüssel aus der Hosentasche und warf mich in die Bäckerei. Dort rubbelte ich mir die Haare mit einem trockenen Spültuch
Ich stöhnte, durchforstete die Schubladen und die Schränke, bis ich unter dem Ofen eine zertretene Streichholzschachtel mit einem Motiv der Madonna fand. Aber die Reibfläche reagierte nicht, als ich den Kopf des Hölzchens darüber schnippte. Ohne ein Wort zu sagen
Der Alte sah das Schmunzeln in meinem Gesicht und zündete meine Kippe an. Durch die Finsternis erkannte ich seine trägen, blauen Augen und das matte Lächeln in seinem Gesicht, als wüsste er um den „Scherz”, den ich machen wollte. Es war mir unangenehm Vielleicht weil ich nicht wusste, wann ich ihn jemals lächeln sah. Er hatte immer dieselbe verbitterte Miene. Immer denselben schleppenden Gang und einen Blick, der niemanden mehr zur Kenntnis nahm. Und immer denselben alkoholgeschwängerten Atem. Aber in diesem Moment hat er mich gesehen und sagte ... nichts, wie immer. Er legte nur seine runzlige Hand auf meinen Oberarm. Nickte schwach. Sah in die Bäckerei und wieder zu mir. Dann verließ den Laden. Zum letzten Mal.
Ich war ihm nachgelaufen, weil mich eine drückende Angst einkesselte. Mich ansprang, von allen Seiten und zum ersten mal hatte ich zitternde Hände wenn ich den Backofen anstellte. Und Schweißperlen auf der Stirn, bei Minus zehn Grad, wenn ich daran dachte, die Kunden empfangen zu müssen. Ich hatte doch keine Ahnung davon. Ich konnte nicht einmal Brötchen backen. Nur wenn er da war, im Hinterkämmerchen saß, eine Zigarre qualmte und in sein Kofferradio hineinhörte, umwaberte mich der Dunst seiner Anwesenheit
Er hatte am Grab seiner Frau Rast gemacht und eine Rose zwischen die Hyazinthen gestellt. In einer Tonvase, die seine Schwiegermutter ihnen „vermacht” hatte und die seine Frau immer in einem Glasschrank aufbewahrt hatte. Für besondere Anlässe, wie sie meinte, auch wenn sie sie nie angerührt hatte.
Und dort hatte er nun gesessen. Mit seinem Flachmann, randgefüllt mit Schnaps. Und er trank.
Manchmal tat er das, saß einfach im Hinterkämmerchen und trank.
Ließ mich ihn bedienen und trank.
Schaute den Kunden zu, wie sie meine Brötchen anstrahlten, mit mir plauschten und einkauften, als würde der Laden mir gehören. Und er trank.
Aber nun lag er einfach da. Ein menschlicher Haufen, schlaff zu Boden gesunken. Ohne ein letztes Wort. Ein erstes Wort, das ich in meine Erinnerung einschweißen könnte. Das mich zu ihm zurückrufen würde, aber ich erinnerte mich an keines. So schnell die Gedankenfetzen auch meinen Verstand traktierten, und die Erinnerungen meinen Kopf fluteten. Ihn überschwemmten. Und mich ertränkten in einer Welle sprachlosen, tauben Schmerzes.
Der letzte Tropfen seines Schnapses perlte aus dem Flachmann. Eine alte Frau stand neben ihm, hielt sich die Hand vor den Mund und weinte. Ich sah in ihre entsetzten Augen, auf ihre
Auf der Seite liegend, und leicht gekrümmt lag er da. Sein rechtes Auge war offen, auf die Erde gerichtet, die das Grab bedeckte. Ein rotbraunes Herbstblatt zappelte im Wind, tanzte über seinen braunen Trenchcoat und flog fort.
Ich beugte mich zu ihm herunter. Roch seinen stechenden Atem. Sah die Tränen, die auf seinen Wangen gefroren waren. Seine blauen Lippen und die glänzenden Augen. Mit dem Funken Trauer darin, die ihm an diesem Tag genommen wurde.
Von da an schmiss ich seine Bäckerei. Fast alleine, wenn man die Putzfrau und den Lehrling nicht mitrechnet. Immer wieder kamen Kunden herein, warfen vereinzelte Blicke auf mich. Stumme Blicke. Blicke, die die Trauer in meinem Gesicht suchten. Die den Schmerz ertasteten wollten, den sie hinter meinen Augen zu suchen schienen. Und sie fassten an meine Hand, beugten sich vor und flüsterten: „Es tut mir leid um Ihren Vater.
Aber ich sagte nicht, dass ich nicht sein Sohn bin. Ich nickte nur, mit